Liebes Redaktionsteam vom BärReport,
ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen. Ich bin 55 Jahre alt und lebe in Hannover. Vor 15 Jahren bereits haben die Teddybären mein Herz zurückerobert. Schon als Kind hatte ich Teddys immer den Vorrang vor Puppen gegeben. Vor 8 Jahren begann ich, selbst Bären zum Leben zu erwecken. Natürlich gesellten sich auch immer wieder gekaufte Exemplare dazu. Heute lebe ich in Gemeinschaft mit etwa 100 Teddybären. Im Jahre 2002 –es war zum 100. Geburtstag des Teddys – verfasste ich kleine Geschichten über meine Bären – erstmal nur für mich selbst. Mittlerweile ist daraus eine stattliche Sammlung geworden. So kommen darin sowohl meine Naturbären als auch die Teddys „zu Wort“. In der Hoffnung, dass sie Gefallen daran finden, sende ich Ihnen eine meiner Geschichten zu.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Schoop (E-Mail: katharina.schoop@web.de)
Eine Lovestory: Josie & Geronimo
von Katharina Schoop
Josie kam gerade aus der Stadt. Bepackt mit vielen Tüten war sie so richtig außer Atem. Erst mal verschnaufen, dachte sie und bereitete sich in der Küche eine heiße Schokolade. Sie holte die Reisekataloge, die in einer ihrer zahlreichen Taschen steckten. Während sie das wunderbare Getränk schlürfte, studierte sie die Angebote, bis ihr Blick an einem interessanten hängen blieb. „Ja, das ist es!“ sagte sie wie zu sich selbst. Eine Trecking-Tour in den Grand Canyon, einfach toll! Da sie gebürtige Österreicherin war, hatte Bergsteigen für sie den besonderen Reiz. Schnell hatte sie die Reise gebucht. Die Vorbereitungen gingen ihr rasch von der Pfote. Schon war der Tag der Abreise gekommen. Ein wenig aufgeregt war sie, als sie im Flugzeug am großen Fenster Platz nahm. Sie überflog den Atlantik und sah schon bald die majestätischen Berge Amerikas. Die Maschine setzte zum Landeanflug an, alle Fahrgäste waren nun voller Erwartung. Als Josie den großen Vogel verließ, dämmerte es bereits.
Viele wurden von Freunden abgeholt. Josie jedoch hatte eine individuelle Reiseroute ausgearbeitet und zur Unterstützung einen heimischen Bergführer engagiert. Sie konnte ihn nicht kennen, aber E R war es, der sie am Flughafen abholte. Stämmig gewachsen und mittelblond, strahlte er Ruhe aus und war ihr sofort sympathisch. „Hallo, bist du Josie? Ich bin Geronimo, der Bergführer, den du engagiert hast. In den nächsten Wochen werde ich dir die Schönheiten unseres Landes zeigen, gemeinsam werden wir viel erleben.“ Josie war angenehm überrascht, so jung hatte sie ihn sich nicht vorgestellt. Aber sie spürte, er war total ihr Typ. Die beiden verließen den Flughafen und verbrachten die Nacht in einer gemütlichen Herberge mit dem Namen „Hier machen Bären halt“. Schon früh am Morgen brachen sie zu ihrer ersten Bergtour auf. Von den Gipfeln des Grand Canyon hatten sie einen atemberaubenden Blick ins Tal. Hier wollten sie eine Weile innehalten. Beide packten ihre Verpflegung – Honigkuchen und Wildbeermarmelade – aus und genossen die Stille (die anderen hatten diese Tour erst zum Ende ihrer Ferien gebucht), da geschah es: Josie wollte sich vorbeugen, um den unter ihnen tosenden Colorado zu bestaunen, Plötzlich rutschte sie aus. Verzweifelt schrie sie um Hilfe. Schnell war Geronimo hinter ihr und hatte seine Tatzen um ihre Taille gelegt. Behutsam und doch sehr gekonnt zog er sie zurück.
Für heute hatte sie nun wirklich genug von Abenteuern. So planten sie für den Nachmittag einen Besuch im Zoo. Besonders die jungen Schwarzbärkinder schloss Josie schnell in ihr Herz und fragte den Pfleger, ob sie eines mitnehmen dürfte. Völlig überrascht mischte sich Geronimo ein und bemerkte, sie wären so gut wie verlobt. Man müsse es sich überlegen, sie sollten am letzten Urlaubstag noch einmal vorbeikommen …
Abends feierten zwei verliebte Bären ihre Verlobung. Am nächtlichen Sternenhimmel zeigte sich der Große Bär. Eng aneinander geschmiegt sprachen beide im Chor das Gelöbnis „Wir wollen niemals auseinander gehen!" Dann senkte sich die schwarze Nacht über sie und beide schliefen sofort ein. Jeder Tag ihres jungen Glücks brachte ihnen viel Freude, und schnell waren sie am letzten Tag angelangt. Im Zoo gab man ihnen das zarteste Junge aus dem Wurf (es war sehr, sehr schwach!) und wünschte den jungen Bäreneltern viel Erfolg. Der stolze junge Vater schlug vor, den Kleinen Blacky zu nennnen.
Am nächsten Morgen stieg Josie in Begleitung ihres geliebten Gefährten Geronimo in das Flugzeug. Er trug Blacky, der vor wenigen Minuten eingeschlafen war. Geronimo war sehr neugierig auf seine neue Heimat und sein neues Daheim. Er würde jetzt kein BergFührer mehr sein, dafür hatte er eine zauberhafte kleine Familie, die er umsorgen konnte.
PS: Der kleine Blacky ist zu einem frechen Jungbär herangewachsen, auf den seine Eltern stolz sind.